Zu Besuch bei Ötzi – Skitour auf die Fineilspitze

Im November des vergangenen Jahres ging es mal wieder hoch hinauf für unseren Autor Helli und seinen Bergkameraden Tom: die stolze 3.514 Meter messende Fineilspitze – früher auch Finailspitze genannt – sollte es sein. Erstbestiegen wurde der Berg im Schnalskamm im fernen Jahre 1865 von Pfarrer Franz Senn und den Bergführern Cyprian Granbichler und Josef Gstrein. Kein leichtes Unterfangen also. Doch der Skitourenauftakt der beiden gelang nach Maß.

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Der Herbst gab heuer dem Sommer sehr spät die Ablöse und schon schweiften die Blicke wieder die Bergkämme hoch, um den Kontrast der goldgelbgefärbten Lärchenwälder mit dem majestätischen Weiß des Winters zu suchen, doch vergeblich. Der erste Schnee liegt oberhalb der Waldgrenze und das sehr spärlich. Und doch gab es Tom und mir keine Ruhe, und nach einigen Recherchen im Internet war das Ziel entschieden: die Fineilspitze. Früh aufstehen hieß es also, damit wir um 07:30 Uhr am Parkplatz in Kurzras im Schnalstal schließlich zu unserer ersten Skitour aufbrechen konnten.

Das Gletscherskigebiet im Schnalstal hatte bereits geöffnet und unzählige Skibegeisterte und Trainingsgruppen standen an der Seilbahn an, um auf über 3.000 Metern am Gletscher die ersten Schwünge setzen zu können. Wir waren unsicher, ob unser Vorhaben zu dieser Jahreszeit überhaupt schon möglich war, dies bestätigten uns auch die verdutzten Gesichter der Skifahrer, als Sie uns mit den Skiern am Rucksack angeschnallt losmarschieren sahen.

Das Abenteuer begann auf 2.000 Metern über dem Meeresspiegel und ging gleich steil die im unteren Teil schneefreie Talabfahrt hoch. Diese ließ uns gleich ins Schwitzen kommen, da neben Skiern auch die komplette Gletscherausrüstung mit musste.

Ich konnte dem Rhythmus von Tom bald nicht mehr folgen und war froh, als ab ca. 2.400 Meter gerade soviel Schnee lag, dass wir unsere Skier endlich vom Rucksack geben und mit diesen an den Füßen weitermarschieren konnten. Es fühlte sich gleich wieder gut an und so ging es monoton weiter die „Piste“ rauf. Die schöne Kulisse der Lärchenwälder und die Sonne, die an den gegenüberliegenden Bergen die Dunkelheit verdrängte, gaben uns etwas Abwechslung.

Endlich erreichten wir den ersten Skilift auf ca. 2.700 Meter und wussten, dass der Gletscher nicht mehr weit entfernt sein konnte. Der pulvrige Neuschnee am Pistenrand machte uns mehr und mehr zuversichtlich.

Jetzt konnten nur noch unüberwindbare Spalten am steilen Gletscher die Gipfelbesteigung verhindern, und der erste Blick auf den Gletscher ließ uns tatsächlich zweifeln. Keine Spur über die teils eingeschneiten Spalten waren Anlass, dass wir den Gurt anzogen und uns anseilten. Wir knüpften sicherheitshalber genügend Bremsknoten ins Seil und so zogen wir Richtung Gletscher – unsicher, ob unser Vorhaben überhaupt Sinn hat.

Je weiter wir am Gletscher hochkamen, desto deutlicher war unser weiterer Anstieg und wir konnten eine gute Spur ziehen. Nach der steilsten Stelle am Gletscher standen wir endlich in der wärmenden Sonne und das auch noch windfrei! Ab diesem Moment war der weitere Tourenverlauf der reinste Genuss!

Einsam gingen wir weiter, wir genossen den Moment. Hinter uns kam dann schließlich doch noch eine Gruppe skitourenbegeisterter Italiener angerannt, welche unsere frisch gelegte Aufstiegsspur nutzten und so rasch aufholten.

Die Italiener in Rennanzügen hatten es etwas eiliger und zogen an uns vorbei auf den Gipfel, fuhren aber gleich darauf wieder ab, sodass der menschenleere Zustand wieder hergestellt wurde. Wir schnallten die Skier ab und gingen die letzten zehn Minuten über den ausgesetzten Grat bis zum Gipfel der Fineilspitze auf über 3.500 Meter Höhe - kein Lüftchen und strahlender Sonnenschein.

Unsere Mühen wurden mehr als belohnt. Eine gewaltige Gletscherkulisse, und die Tatsache, dass wir einige Stunden vorher noch durch schneefreie Herbsttäler fuhren, ließen uns den Anblick unreal wirken. Wir genossen aber jeden Augenblick und da wir noch relativ früh dran waren, dösten wir am Gipfel über eine Stunde dahin…

Nach verdienter Rast stiegen wir zu unseren Skiern ab und starteten ins pure Vergnügen. Mit genügend Respekt vor dem Gletscher mit seinen Spalten, genossen wir die erste Pulverabfahrt! Herrlich!

Wir fuhren die Piste noch so weit es ging ab, auch wenn die spärliche Schneedecke auf der oberen Talabfahrt unseren Skiern ziemlich zusetzte. Die letzten 300 – 400 Höhenmeter trugen wir die Skier schlussendlich wieder runter und blickten müde aber doch stolz zurück auf unsere erste Skitour, mit Lust auf viel, viel mehr!

Kurzbeschreibung:

Anfahrt: Bozen – Meran – Naturns – Schnalstal (Talschluss in Kurzras)

Start: Parkplatz Talstation Skigebiet

Aufstieg: Parkplatz Skigebiet (2.000 m) – Talabfahrt Skigebiet Schnals Richtung Grawand – erster Skilift (ca. 2700 m)  und bei Beginn des Gletschers (ca. 2.900 m) links die Skipiste verlassen und über den logischsten Weg Richtung Spitze (3.514 m)

Abstieg: Abfahrt über den Gletscher, zurück zur Skipiste und über die Talabfahrt bis zum Parkplatz

Konditionelle Anforderungen:  anstrengend

Technische Anforderungen: Gletschererfahrung auf spaltenreichem Gletscher und schwindelfreiheit am exponierten Schlussgrat. Empfehlenswert im Frühjahr auch als lange Überschreitung vom Pfossental, über den Similaun, Hauslabjoch, Finailspitze.

Autor: Helli

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