Zum Skitourenabschluss auf den Hochfeiler

Blick zum Hochfeiler

Seit jeher übt der Hochfeiler, italienisch Gran Pilastro, eine große Anziehungskraft auf höhenbegeisterte Alpinisten aus, markiert er doch mit seinen 3.510 m Höhe den höchsten Gipfel der Zillertaler Alpen. Begeistert von diesem steinernen Koloss ist auch unser Autor Helli. Er brach Ende Mai auf, um den Berg zu bezwingen. Mit den Skieren, wohlgemerkt.

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Die Tourenski standen schon seit längerer Zeit etwas staubig auf dem Balkon, waren aber doch noch nicht im Keller verstaut. Mir kam die Idee noch einen krönenden Abschluss für unsere Skitourensaison auszuwählen und dann die Skier in der hintersten Ecke des Kellers verschwinden zu lassen. Mit den  hohen sommerlichen Temperaturen kamen nur mehr wenige Touren in Frage und so war das Ziel für die wahrscheinlich letzte Tour heuer nicht schwer auszusuchen. Der Hochfeiler mit seiner imposanten Nordwand reizte mich schon seit Jahren, doch bisher fand ich nie den richtigen Zeitpunkt, diese Tour zu wagen.

Ander früh am Morgen, vor dem Aufstieg

Wir treffen uns zeitig um etwas nach halb vier Uhr früh bei der Autobahnausfahrt in Sterzing und fahren nach Wiesen, das den Beginn des urigen Pfitschertals markiert. Von Wiesen benötigen wir noch über eine halbe Stunde bis wir schließlich am Talschluss an eine Weggabelung angelangen mit einem Durchfahrtsverbotsschild am Beginn der Pfitscherjochstraße. Dieses wird oft gerne ignoriert, da es vermeintlich geduldet wird, noch über den Forstweg bis zur dritten Kehre weiterzufahren. Wir fahren also rechts weiter und erreichen bald den Parkplatz für den Start zur Hochfeilerhütte und zum Günther-Messner-Biwak.

Auf der Suche nach dem Schnee...

Die Skier sind bald an den Rucksack gebunden und dann geht es kurz vor halb fünf  mit leichten Treckingschuhen aber sehr schwerem Rucksack los. Die gesamte Ausrüstung wiegt sicherlich samt Ski und Schuhen an die 20 kg. Mit der Stirnlampe folgen wir anfänglich dem Normalweg zur Hochfeilerhütte, gehen aber nach 5 Minuten der Beschilderung “Günther Messner Biwak” entlang und erreichen diesen auch nach rund 1 ½ Stunden.

Kurz unterhalb des Hochfernerbiwaks

Günther-Messner-Biwak

Das Biwak wurde im Jahr 2000 renoviert und dient als Notunterkunft, stellt aber auch einen idealen Stützpunkt für die Besteigung der umliegenden Nordwände dar. Da die Biwak Schachtel nur für 10 Menschen Schlafgelegenheit bietet, kommt es oft vor, dass manche die Nacht auch auf dem Boden verbringen müssen.

Wir stellen nach einer kurzen Rast fest, dass eine zusammenhängende Schneedecke leider noch immer nicht in Sicht ist und so genießen wir vorerst nur den Anblick der Eiswand des Hochferners, wo sich schon etliche Seilschaften tummeln.

Blick auf Hochferner-Wand

Bei Tageseinbruch schultern wir wieder unsere schweren Rucksäcke und gehen über Geröllfelder der Griesscharte entgegen. Auf ca. 2.600 m ist endlich die Schneedecke zusammenhängend und mit Freude schnallen wir die Skier von den Rucksäcken ab und tauschen die Treckingschuhe gegen die Skischuhe ein. Unser Rücken dankt es uns, und so kommen wir rasch voran, auf die immer steiler werdende Griesscharte.

Weiter mit den Skiern

Griesscharte

Auf der Sonnenseite...

Valentino, der aus Bergamo stammt, erreicht uns und begleitet uns ein Stück weiter Richtung Nordwand. Von der Griesscharte fahren wir ca. 100 Höhenmeter mit den Skiern ab und queren anfänglich über Lawinenkegel dem niederen der beiden Übergänge entgegen, von dem aus wir das erste Mal in die imposante Nordwand blicken können.

Querung zum niederen Übergang

Wir und die Nordwand

Bis zum Einstieg in die Wand ist es nicht mehr weit, aber nach rund 4 Stunden und stollendem Schnee an unseren Fellern kommen wir dort ziemlich erschöpft an. Eine wohlverdiente Rast gönnen wir uns am Wandfuß (3.150 m), immer achtgebend, dass uns herunterkommende Schneebrocken nicht treffen, die Valentino ober uns aus der Wand befördern.

Die Hochfeiler-Nordwand

Die Skier, und im zweiten Anlauf auch die Stöcke, werden wieder an den Rucksack gebunden und nun stapfen wir gleich über super Trittfirn los. Die Gletscherrandspalte ist problemlos zu überqueren und nun geht es über eine makellose und zum Glück gespurte Firnwand immer höher. Als Sicherheit dienen uns unsere Steigeisen und zwei Eispickel. Sichern im Firn hat wenig Sinn. Wir genießen den Aufstieg und merken wie die Höhe und die Länge der Tour unseren Körpern immer mehr zusetzt, aber nach nicht einmal eineinhalb Stunden stehen wir am Ausstieg der 330 Meter hohen bis zu 55 Grad steilen Firnwand. Die letzten steilen Meter haben es aufgrund einsetzenden Blankeises in sich und fordern nochmals unsere vollste Kondition. Ein Fehler wäre hier ungesichert das aus.

Traumhaftes Wetter

Mitten in der Nordwand

kleine Wechte zeigt uns, wie weit es noch ist

Schritt für Schritt arbeitet sich Helli hoch

Am Ausstieg der Nordwand

die letzten Meter...

Die Schneewächte, unter der wir die Wand hochklettern, ist zur Zeit überraschend klein und stellt keine große Gefahr dar. Wir haben es geschafft!

...endlich geschafft!

Wir gehen noch über den luftigen Grat zum Gipfelkreuz des Hochfeilers hinüber und sind froh über das Geleistete. Wir bewundern die umliegenden Berge und lassen uns unsere Brote schmecken!

Ander am Gipfelkreuz

Nun können wir die Abfahrt über den Gletscher in super Firn genießen und treffen auf rund 2.500 Metern auf den Sommerweg; nach etwas über einer Stunde erreichen wir zu Fuß wieder den Ausgangspunkt.

Abfahrt über den Gipfelhang

Was wir erlebt haben, war eine Traumskitour der Superlative, die jedoch aufgrund der Länge und der unterschiedlichen Verhältnisse der Nordwand auf keinen Fall zu unterschätzen ist. Hier noch ein Blick zurück auf den Gipfel:

der Hochfeiler

Übrigens: Wir haben noch ein Youtube-Video zur Abfahrt über den Weißkarferner gefunden. Traumhaft! Ist allerdings nicht von uns aufgenommen worden…

Kurzbeschreibung:

Anfahrt: Sterzing – Wiesen – Pfitschertalschluss

Start: Parkplatz „3. Pfitscherjochkehre“

Aufstieg: Parkplatz „3. Pfitscherjochkehre“ (1.700 m) – Günther Messner Biwak (2.529 m)– Griesscharte (2.818 m) – Hochfeiler Nordwand (3.150 m) – Hochfeiler Gipfel (3.510 m)

Abstieg: Abfahrt über den Weisskarferner bis auf 2.500 m und dann über dem Sommerweg zurück zum Parkplatz. Bei genügend Schnee kann auch in das Bachbett abgefahren werden und bei einer schluchtartigen Engstelle über einen Gegenanstieg (150 hmt) erreicht man ebenso den unteren Teil des Sommerweges.

Konditionelle Anforderungen: sehr anstrengend

Technische Anforderungen: Sicheres, schwindelfreies Gehen auf Firn/Eisflanken bis 55 Grad mit Steigeisen und Pickeln. Ein Befahren der Wand mit den Skiern ist bei optimalen Bedingungen nur für nervenstarke und absolut sichere Skifahrer möglich.

Autor: Helli

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4 Responses to “Zum Skitourenabschluss auf den Hochfeiler”

  1. Corinna
    14. Juni 2011 at 12:01 #

    Wow! Spektakuläre Bilder

  2. magdalena
    14. Juni 2011 at 13:42 #

    gewaltige tour. sieht nach einem gelungenen skitourenabschluss aus!
    liebe grüße aus meran

  3. Klaus
    14. Juni 2011 at 14:08 #

    Hammertour! nicht schlecht!

  4. Tanja
    14. Juni 2011 at 19:24 #

    WOW … Bravo Helli – ah, und danke für die Einladung ;-)

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